Abstract
Dieser Beitrag versteht sich als Kritik der mit dem Indizienparadigma verbundenen archäologischen Metapher des Spurenlesens. Spuren können, sobald sie als solche gesichert sind, keineswegs die Vergangenheit quasi von selbst zum Sprechen bringen, indem sie als historische Indizien Zugang zum ‚Kern der Dinge‘ erlauben. Stattdessen bedarf es eines kreativen Interpretierens, um Spuren erst bedeutungsvoll werden zu lassen. Das archäologische Umgehen mit materieller Kultur lässt sich keineswegs auf eine (Kultur–)Technik der Vergangenheitsrekonstruktion reduzieren. Trotz solcher Einwände erfreut sich derzeit der Prozess des Spurenlesens als archäologische Kulturtechnik und Metapher einer steigenden Beliebtheit. Dahinter steht oft eine Faszination, die von den unumstößlichen, materiellen Gewissheiten ausgeht, die Archäologen liefern zu können scheinen. Auch die Archäologie selbst profitiert von dieser Konjunktur des Spurenlesens. Ist das Teilnehmen am kollektiven Akt des Spurenlesens aber vielleicht eine wichtigere Kulturtechnik als das höchst problematische, eigentliche Lesen von Spuren? Ist es interessanter sich mit dem Vergangenen zu beschäftigen als die Vergangenheit zu verstehen?
| Original language | English |
|---|---|
| Title of host publication | Spurenlesen. Spurenlesen als Orientierungskunst und Wissenskunst. |
| Editors | Sybille Krämer, Werner Kogge, Gernot Grube |
| Publisher | Suhrkamp |
| Pages | 333-352 |
| ISBN (Print) | 978-3-518-29430-7 |
| Publication status | Published - 2007 |
Subject classification (UKÄ)
- Archaeology
Free keywords
- Archaeological theory
- reading of clues
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